Zeitraum 16.12.-29.12.2017

Kombodscha bereisten wir 14 Tage. Es bedeutete für uns, unsere Gemütlichkeit von Laos hinter uns zu lassen und weiter zu ziehen. Es viel uns sehr schwer, aber wir freuten uns auch über unseren Besuch. Also hieß es mal wieder Grenzübergang auf dem Landweg und etwas Spannung lag in der Luft. Wird alles Reibungslos funktionieren? Knöpfen sie uns zu viel Geld ab? Am Ende ging es erstaunlich gut. Kein großes über-den-Tisch-geziehe und lange warten.

Unsere Route führte uns von Phnom Penh nach Siem Riep, Battambang, zu unseren Weihnachtsdomizil Koh Rong und zurück über Kampot nach Phnom Penh.

Wir tauchten in Jahrhunderte alte Geschichte und Tempel ein, waren wieder einmal absolut begeistert, was Menschen vor hunderten von Jahren geschaffen haben, blickten auf Kambodschas schreckliche und absolut grauenhafte jüngere Vergangenheit zurück, waren erstarrt, tief erschüttert und absolut still. Wir versuchten trotz des schnellen Tempos was wir hatten etwas von Land und Leute mitzunehmen.

Phnom Penh war wieder laut, viele Menschen, Tuck Tuck Fahrer, die einen überall anquatschen und nach Laos eine riesige Stadt für uns. Wir holten Robins Freund Niko vom Flughafen ab und zogen nun zu dritt los. Wir drehten eine Runde durch die Stadt und machten Stopp am Nationalmuseum und dem Königspalast. Das Nationalmuseum wurde überall als ein „Muss“ angegeben und war auch hübsch anzusehen. Aber wir würden definitiv nicht nochmal hinein gehen, wenn man den Preis von 10$ berücksichtigt.

Der Königspalast war sehr schön, prunkvoll und beherbergt einige Schätze von Kambodscha. In der Mitte der Anlage befindet sich u.a. die Pagode mit den Silberfliesen und dem Budda. Allein die Fliesen, die größtenteils von Teppichen zum Schutz verdeckt werden, sind ein Vermögen wert.

Am zweiten Tag hieß es eintauchen in die grausame Vergangenheit. Wir haben im Vorfeld schon viel über die Roten Khmer gelesen, jedoch hat uns das Tuol Sleng Museum (S21) und die Killingfiels zu tief erschüttert. Die Roten Khmer kamen 1975 mit ihrem Anführer Paul Pot an die Macht. Sie regierten das Land für 3 Jahre, 8 Monate und 20 Tage und töteten in dieser Zeit ca. 3 Millionen Menschen, überwiegend ihre eigenen Landsleute. Sie wollten Kambodscha auf Tag 0 bringen; zurück zu einen Bauernstaat. Sie siedelten die Menschen aus der Stadt ins Land um, trennten die Familien.

Hauptrouten der Zwanksevakuierung

Sie ließen die Menschen Tag ein, Tag aus hart auf dem Acker arbeiten, schafften jegliche Erleichterung für den Ackerbau ab und es gab für jeden Arbeiter nur noch eine zugeteilte kleine Portionen Reissuppe. Sie töteten jeden der sich gegen sie stellte. Sie schafften die Schulbildung ab und ermordeten gebildete Menschen (Ärzte, Juristen, Lehrer, …) und jeden der eine Brille trug, denn das war für die verstörte Ansicht der Roten Khmer ein Zeichen für Bildung.

Im Toul Sleng Museum 21, wird einen die volle Grausamkeit erklärt und mit Bildern gezeigt. Das Gefängnis, was früher mal eine Schule war, war in der Zeit der Roten Khmer das absolute Schrecken.

Die Menschen wurden in das Gefängnis mit dem Hintergrund zu sterben gebracht. Vorher wurden sie auf grausame Art und Weise gefoltert, um ein Geständnis abzugeben, was sie (angeblich) verbrochen haben. Dabei war es besonders wichtig die Menschen nicht zu Tode zu Foltern, da das Geständnis an oberster Stelle stand. Wenn dies passierte wurde der Peiniger i.d.R. auch hingerichtet. Sie sollten die absurdesten Geständnisse abgeben. Bspw. dass sie mit dem Geheimdienst der USA zu tun zu haben, obwohl viele noch nicht mal wussten was das ist. Sie wurden für vieles bestraft und getötet. Sie wurden beschuldigt geklaut zu haben, essen zu unterschlagen, die Arbeit nicht korrekt ausgeführt haben, …

Die Menschen hatten zum Teil Einzelzellen, die nicht größer waren, als eine Abstellkammer. Teils wurden ca. 40 Leute in ein ehemaliges Klassenzimmer gesperrt. Dafür wurden ihnen Fesseln angelegt und sie wurden zusätzlich am Boden angekettet. Sie durften nur liegen, nicht sprechen und sich nur mit Erlaubnis des Wärters hinsetzen. Zum Waschen mussten die Insassen sich ausziehen und zusammensetzten. Am Fenster wurde dann mit einen Gartenschlauch Wasser in das Zimmer gespritzt und sie mussten hoffen Wasser abzubekommen. Sie wurden nach der Folterungen in Einzelzimmer am Bett gefesselt, damit die anderen Insassen ihre Wunden nicht sahen. Denn ein weiteres Gebot der Roten Khmer bestand darin, dass keiner etwas von der Folterung mitbekommen sollte. Ihnen reichte es auch nicht nur den Beschuldigten festzunehmen. So musste die gesamte Familie eines z.B. Arztes ins Gefängnis. Die Leitsprüche waren bspw. „Man muss das Unkraut bei den Wurzeln packen“ oder „Lieber einen Unschuldigen töten, anstatt einen Schuldigen zu verschonen.“

Aus dem Audio Tour Guide

Ich möchte jetzt nur noch einmal kurz auf die Killing Fields eingehen. Wer noch mehr über die schreckliche Zeit wissen möchte, kann einfach mal das Internet befragen. Es gibt einige gute Artikel und auch darüber, was mit den Schuldigen passiert ist.

Zu den Killing Fields wurden die Gefangen gebracht um zu sterben. Choeung Ek, 15 km von der Hauptstadt Kambodschas entfernt, ist wohl das bekannteste der über 300 Killing Fields. Hier wurden in Massengräbern unzählige Menschen hingerichtet. Nach ihren Geständnissen wurden die Menschen in der Nacht in Lastwagen geladen und zur Hinrichtung gefahren. Es ertönte grundsätzlich laute Musik, damit die ankommenden und noch inhaftierten Häftlinge die Schreie der gerade sterbenden Häftlingen nicht hören zu konnten. Die Gefangenen mussten sich an den Rand der Grube stellen und wurden dann erschlagen, erstochen, enthauptet oder auf eine andere grausame Art ums Leben gebracht. Als Werkzeuge kamen Hammer, Axt, Stöcke und sonstige Geräte zum Einsatz. Auch sehr scharfkantige Blätter von Bäumen wurden genutzt. Hauptsache keine teure Munition oder laute Waffen. Einige Menschen waren manchmal noch nicht richtig tot als sie in die Grube fielen. In den Massengräbern kann man noch heute Knochenreste oder Reste von Kleidungsstücken aus dem Boden ragen sehen. Bei starken Regenfällen werden regelmäßig Knochen- und Kleidungsreste hervorgespült.

Der Gipfel der Grausamkeit war der sogenannte „Killing Tree“. An diesem Baum wurden Säuglinge und Kleinkinder hingerichtet. Die Wärter fesselten sie kopfüberhängend an den Füßen und schlugen sie mit dem Kopf solange gegen den Baum bis sie tot waren. Ich konnte diese Grausamkeit kaum ertragen und musste schnell weiter gehen, auch jetzt steigen mir abermals die Tränen in die Augen.

Killing Tree

Am Ende des Audioguides gelangt man zu der Gedenkstupa. Diese wurde zum Gedenken an die Opfer erbaut. Innen findet man ca. fünftausend Schädel von den ermordeten Menschen. Im unteren Teil werden die Geräte gezeigt, mit denen die Insassen getötet wurden.

Gedenkstupa des Choeung Ek

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