Anfang 2017. Noch 9 Monate bis es endlich los geht. Eine zu lange Zeit ohne Urlaub dazwischen.

Mitte Februar. Dass es „davor“ noch mal irgendwo hingehen muss, stand fest. Nur wohin genau wussten wir nicht. Ein Link bei Urlaubspiraten nahm uns die Entscheidung ab. Jule war gerade bei einer Tagung und ich saß Zuhause. Sie schickte mir den Link zu und ich war bereits nach kurzer Zeit überzeugt … das wird unser Urlaub vor der Reise: Montenegro.

Wo genau liegt das eigentlich?

Google gab uns einige Antworten und die spärlichen Infos ringsherum sagten uns: das Land hat kaum jemand auf dem Schirm. Es ist sozusagen perfekt für uns. Das Angebot von der bekannten irländischen Fluggesellschaft war aber auch super. Für nicht einmal 70€ für beide hin und zurück ging es ab Berlin in ein faktisch unbekanntes Land. 🙂 Nicht dabei waren natürlich Gepäckstücke. Um den super günstigen Flugpreis dabei zu belassen, entschlossen wir uns nur mit Handgepäck zu fliegen. Das hatte außerdem auch einen gewissen Charme und somit stand es fest. 17€ für ein Gepäckstück gespart.

Wie ist es denn dort?

Da waren wir nun in Montenegro. Zuerst ging es nach Podgarica. Wir hatten schon davor mal gelesen, dass die Stadt nicht so bezaubernd ist und bereits im Vorfeld beschlossen, nur einen Zwischenstopp einzulegen. Gesagt getan und ja die Stadt hat uns jetzt nicht vom Hocker gerissen. Hier zwei Eindrücke von der Hauptstadt.

Auch weil die Stadt mit ca. 186.000 Menschen nicht sehr groß ist, konnten wir diese schnell „abhaken“ und sind gleich in den Nordosten gefahren. Hier zeigte sich das erste Mal Montenegros Schönheit. Wir wurden mit einer grandiosen Bergwelt und (für den Zeitpunkt) kleinen engen Serpentinen belohnt. An unserem Ziel Kolašin angekommen haben wir das kleine Städtchen erkundet und sind zu dem Skilift gefahren der laut Anzeige noch bis 29.03.2017 geöffnet hatte 😊

Anschließend hieß es nur noch etwas essbares zu finden und den Tag ausklingen zu lassen.

 

Roadtrip und Nationalparks

Am nächsten Tag sind wir früh gestartet und saßen schon um 9:30 Uhr im Auto in Richtung Biogradska Gora Nationalpark. Wie wir am Vortag von unserer Gastwirtin Sandra erfahren hatten, war nur eine Tour „geöffnet“, denn eigentlich macht der Nationalpark erst ab Mai auf. Da sie aber meinte, dass wir mit dem Auto hochfahren und um den See laufen können, wollten wir uns diesen nicht entgehen lassen, denn hier soll einer der drei letzten Urwälder Europas sein. Das mussten wir uns mit eigenen Augen anschauen. Bis auf ein paar Arbeiter, die den Park für die Session fit machten, war keiner da. So erging es uns übrigens sehr oft in Montenegro. Schon der Anblick vom Parkplatz auf den See zeigte, dass es sich um ein schönes Fleckchen Erde handelt.

Die 3,3 km um den See waren für den Einstieg okay und anschließend haben wir die Sonnenstrahlen genossen.

Danach ging der Roadtrip erst so richtig los. An der Tara (Fluss) entlang zog sich die Landstraße quer durchs Land. Wir haben immer wieder angehalten und die Landschaft auf uns wirken lassen (und auch um Sonne zu tanken ;))

Dass die Straßen noch abenteuerlicher werden sollten, ahnten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Gegen Mittag erreichten wir Žabljak. Die höchstgelegenste Stadt in Montenegro, welche schnell als Skigebiet zu erkennen ist. Die Ausläufer des Winters sollten wir kurz darauf kennen lernen.

Wandern im Schnee

Von Žabljak ist es nur einen Katzensprung zum Durmitor Nationalpark, welcher unser nächstes Ziel war. Da bereits in Kolašin noch Schnee lag, war uns klar, dass es hier kaum anders sein kann. Aber dafür hat Durmitor ganzjährig auf und man kann zumindest Geld bezahlen (4€ p.P. + 2€ Parken), um um einen See zu wandern 😀 (im Grunde waren es sogar zwei). Denn viele andere Wege waren noch nicht begehbar. Dennoch hat es sich gelohnt hier anzuhalten. Wir wurden belohnt mit Sonne, Eis und Schnee, wobei es nicht sehr kalt war.

Gleich in der Nähe hatten wir eine Unterkunft gebucht, welche uns an eine typische Skihütte erinnert hat. Der Gastwirt schmiss den Pelletofen an und wir schmiedeten den Plan für den nächsten Tag.

Kloster im Fels

Der frühe Vogel fängt den Wurm und somit ging es beizeiten wieder auf die Straße. Wir machten halt in der zweitgrößten Stadt – Nikšić. Es war abzusehen, dass nach Podgorica, wir hier nicht den ganzen Tag verbringen werden. Dennoch ist es einen Abstecher wert, da es einen gewissen Flair besitzt.

Das nächste Ziel auf unserer Route hieß Ostrog. Dabei handelt es sich um ein Kloster, welches in Fels gebaut wurde, damit es nicht von den Türken im 17. Jahrhundert eingenommen werden kann.

Wir wollten nicht bis ganz nach oben fahren und uns auch ein bisschen bewegen. Allerdings stellte sich heraus, dass wir bereits 1,4 km vor dem Ziel das Auto fallen gelassen haben und wir ein ziemlich steilen Berg hochlaufen mussten. Aber geschadet hat es uns auch nicht 😉

Danach ging es die kurvenreichen Straßen weiter in Richtung Cetinje, der ehemaligen Hauptstadt von Montenegro. Dieses kleines Städtchen entpuppte sich als sehr hübsch anzusehen und wir schlenderten entspannt durch die Straßen. Am Abend bereitet wir uns auf den nächsten Tag vor. Denn da stand das erste Mal eine richtige Wanderung auf dem Plan.

Wanderroute um das Mausoleum von Petar II

Auch der Lovćen Nationalpark, in welchem unsere Wandertour stattfinden sollte, war noch nicht auf die Session eingestellt. Zwar war regulär geöffnet, aber da hörte es auch schon auf. Im Headquarter wollten wir Infos zu den Wanderwegen im Park haben, aber die Sprachbarriere war wieder schwer zu überwinden und mit Infos oder Karten haben sie nicht gerade um sich geworfen. 🙂 Uns wurde ein Weg genannt und so machten wir uns auf. Er sollte am Ende der Straße beginnen und leicht zu finden sein … wir haben ihn nicht gefunden. Dafür waren wir beim Grab von Petar Petrović-Njegoš und haben die Umgebung zunächst von oben bestaunt. Der „Pförtner“ des Mausoleums hat uns den Tipp gegeben, dass wir „drum herum“ laufen könnten. Er schätzte die Entfernung auf etwa 20km bei 5-6h. Etwas skeptisch, ob wir diese Route nehmen sollten, begaben wir uns erst einmal in die Richtung, wo es anscheinend los geht. Wir hatten schließlich immer die Möglichkeit, den gleichen Weg zurück zu gehen.

Am Ende des (1.) Weges standen wir bei 900 Höhenmetern vor dem Ende des Parks. Gestartet sind wir bei 1400m. Da wir aber nicht den gleichen Weg zurück wollten, entschieden wir uns doch für die größere Runde. Zumal meine Lieblingsapp für Kartendarstellungen (OsmAnd) die Wege enthielt und eine grobe Schätzung belief sich auf 16km – machbar sozusagen. Es stellte sich als gute Idee heraus, die Route so zu nehmen, denn es ging über Stock, Stein und Schnee vorbei an nahezu unberührter Natur. Gute Möglichkeit zum Abschalten.

Nach diesem großzügigen Spaziergang machten wir uns noch auf nach Kotor. Der Weg dorthin stellte sich mal wieder als sehr spektakulär heraus. Es ging 32 Serpentinen vom Nationalpark nach Kotor hinunter, wobei kaum 2 Autos nebeneinander passten. Zumal die Aussicht auf die Bucht atemberaubend war.

Kotor selbst ist auch sehr hübsch anzuschauen, auch wenn hier schon typisches „Mittelmehrklientel“ anzutreffen ist.

Es wurde dann allmählich dunkel und wir begaben uns etwas erschöpft auf den Weg zu unserer Unterkunft.

An der Küste zum südlichsten Zipfel

Am nächsten Tag fuhren wir an der Küste in Richtung Ulcinj. Dabei nahmen wir die Städtchen Budva und Bar mit. Budva hat dabei eine ähnliche Altstadt wie Kotor und eine Besichtigung lohnt in jedem Fall. Bar dagegen ist eher „modern“ und weniger spektakulär.

Strand von Budva

Am Nachmittag erreichten wir Ulcinj und spazierten die 3,5km bis in die Stadt (und zurück).  Wobei uns Ulcinj auch gut gefallen hat.

Abends machten wir uns wieder etwas zu Essen in unserer Miniküche und ließen den Tag mit einem Bier ausklingen. Früh am nächsten Tag fuhren wir noch ein Stück zum längsten Strand der östlichen Adria. Da keine Badesession war, waren wir mal wieder alleine. Nachdem Jule eine Welle unterschätzt hatte und nasse Füße bekam, zogen wir weiter zu unserem letzten Ziel – dem Skadarsee. Auf dem Weg dahin bot sich wieder eine unglaublich schöne Landschaft und verrückt kleine Straßen.

Skadarsee und Umgebung

Im touristischen Zentrum des Skadarsees angekommen, machten wir uns an einer Touristeninfo schlau, wo man am besten in der Gegend wandern kann, Anschließend fuhren noch mal eine 3/4 Stunde den Berg rauf und runter in Richtung unserer Unterkunft. Trotz Nebensession war die Auswahl an (günstigen) Übernachtungsmöglichkeiten beschränkt. Daher entschieden wir uns, unser Budget nicht 100% einzuhalten, zumal wir die anderen Tage fast immer darunter waren. In dem Dorf unserer Unterkunft angekommen, sind wir erstmal daran vorbeigefahren und befanden uns irgendwie auf der schlechtesten Straße der Welt vor einem Wasserkraftwerk … „ne, hier sind wir falsch“. Also gewendet und im Dorf nachgefragt. Zufällig genau die richtige Person getroffen, unsere Vermieterin. Aber unser Apartment hatte sich auch gut getarnt, so ganz ohne Schilder:

Aber der äußere Anblick täuscht. Drin war es die modernste und größte Unterkunft in Montenegro für uns.

Die in der Touristeninfo gekauften Karte verriet uns einen möglichen Wanderweg und somit machten wir uns gleich nach Ankunft auf. Zunächst den Weg, den wir kurz davor mit dem Auto gefahren sind und dann noch viel weiter. An einer Abzweigung folgten wir den Markierungen in Richtung einer Höhle, die wir auf einem Foto nicht so richtig eingefangen haben. Aber dafür die Landschaft ringsherum.

Nach dieser unerwartet guten Wanderung machten wir es uns in unserem Palast auf dem Sofa gemütlich und planten für unseren (vor)letzten Tag.

Die letzte Wanderung und die Abreise

Für unsere letzte Wanderung suchten wir uns noch mal eine längere Strecke heraus. Dafür fuhren wir ein Stück mit dem Auto, was sich definitiv auch gelohnt hat. Über Stock und Stein liefen wir Wege, die nicht den Anschein machten, dass sie oft gelaufen werden. Davon abgesehen haben wir unterwegs nicht einen Touristen gesehen. Erst am Ende sind wir überhaupt jemanden begegnet, der uns sagte: „Sie brauchen keine Angst haben. Der macht nichts.“ (auf Deutsch!), da wir an einem größeren freilaufenden Hund vorbei mussten. Und wer Jule kennt, der weiß, dass sie fremde große freilaufende Hunde nicht unbedingt um den Hals fällt. 😉

Damit war die Zeit schon fast vorbei. Am nächsten mussten wir zeitig raus, um unseren Flug zu bekommen. Dabei gelang uns noch ein letztes Mal ein Blick auf die Landschaft Montenegros.

Unsere Route im Überblick

 

 

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