Uh, wir sind in Kapstadt.

Unsere einzige und letzte Großstadt auf unserer Reise durch das Land. Wir waren ganz aufgeregt und voller Vorfreude auf Stadtfeeling. Mal wieder zu Fuß von A nach B bewegen hat uns irgendwie gefehlt. Im restlichen Land waren wir ja sehr viel und oft mit dem Auto unterwegs. Wir sind insgesamt in Afrika 6984 km mit dem Auto gefahren. So hieß es am ersten Tag rein ins Auto und ins Zentrum zum Distrikt 6 Museum und Geschichte tanken. Es war sehr bedrückend und interessant zugleich. Es ist schon sehr schlimm, was sich Menschen antun. Mit welch Grausamkeit sie vorgehen. Der Distrikt war vor der Apartheid ein ganz normaler Wohnort für viele Menschen verschiedener Nationalitäten und Hautfarbe. Dann kam das Regime an die Macht und der Distrikt wurde nach und nach platt gemacht. Die Familien wurden aus ihren Häusern und Wohnungen vertrieben und außerhalb der Stadt gebracht. Oft konnten die Bewohner nur schnell einen Koffer packen und dann mussten sie gehen. Das Gebiet wurde als Weißes Gebiet erklärt, die Häuser abgerissen und bis heute gibt es dort viel freie Fläche.

Nach diesem Besuch waren wir eine lange Zeit still und machten uns auch bald auf den Weg Richtung Botanischen Garten, da uns nach einem Spaziergang und witzigen Pflanzen war. Wir liefen also durch den Kirstenbosch und waren ganz begeistert von der Vielzahl der wunderschönen Blumen. Zum Schluss liefen wir dann den Baumwipfelpfad entlang. Da unsere Unterkunft nicht direkt im Zentrum lag, hatten wir noch ein paar Kilometer und viele Autos vor uns. Dafür jedoch den Strand fast (600 m) vor unserer Haustür.

Am zweiten Tag machten wir uns zum Sightseeing in Stadt auf. Wir zogen also zu Fuß durch die Straßen und fotografierten…

 

… mit dem Ziel gegen 14 Uhr an der Waterfront anzukommen, denn da sollte uns eine Fähre nach Robben Island bringen. Aber dem war leider nicht so. Am Schalter zum Ticket scannen sagte uns der nette Mann: „Eine Tour gibt es heute nicht.“ Okay, ich fragte wo das Problem liegt und er sagte die See ist zu rau und deshalb fahren die Schiffe nicht. Ihr könnt euer Ticket gern umbuchen, aber für die nächsten drei Tage ist es eh ausgebucht. Unsere Stimmung war schlecht, wir wollten doch so gern die Gefängnis-Insel besuchen. Hm, okay na dann müssen wir uns die Schlange bei dem Ticket-Schalter anstellen und das Geld zurück buchen lassen. Aber am Schalter sagte die Dame: „Also es wäre am Sonntag noch etwas.“ „Okay, Sonntag sollten wir eigentlich abreisen, wann?“ „13 Uhr zurück 4 Uhr“ wir: „geht klar dann machen wir es so.“ Nachdem wir umgebucht hatten und aus dem Gebäude raus waren schauten wir uns an:“ Okay, sind wir 4 Uhr hier zurück? Ach bestimmt. Naja dann müsste alles klappen; unserer Flieger geht ja erst 20 Uhr. Also wieder glücklich zogen wir noch eine Weile durch die Stadt und genossen das Stadtleben um uns herum.

Da unsere Pläne jetzt völlig über den Haufen geworfen waren, planten wir um. Am nächsten Tag stand fest gebucht die Townshiptour um 12 Uhr auf dem Plan. Ja, danach ging es ans Kap der guten Hoffnung im Eiltempo. Die Tour ging durch den kleinsten Township der Stadt: Langa. Wir fuhren mit dem Auto an einen Haltepunkt und wurden dort von unseren Guide (ich schreibe hier immer oft von Guide oder ähnlichen ohne Namen, aber wer mich kennt, der weiß, ich kann mir keine Namen merken, mist… und dann noch afrikanische … da ist es aus) abgeholt und stellten den Wagen quasi am „Gemeindehaus“ ab. Danach starteten wir unseren Walk auch schon. Wir hatten mal wieder richtig viel Glück und unserer Gruppe bestand nur aus Robin und mir.
Langa ist ca 3,1km² groß und beherbergt ca. 60.000 Einwohner von Lower bis Upper Klass. Ja, auch „vermögende“ Leute wohnen in einem Township. Natürlich nicht in einer Blechhütte, sondern in einem Haus mit Garten und Zaun drum herum. Es war teilweise einfach nur erdrückend, wie die Leute leben. In den einfachsten Unterkünften teilen sich (zu) viele Leute 4-5 Toiletten. Eine Anzahl konnte unser Guide nicht nennen. Sie zeigte nur auf einen Bereich; wir schätzen diesen auf ca. 30-50 Leute. Das Gleiche natürlich mit der Dusche. Es gibt Familien bestehend aus 4-6 Familienmitgliedern die sich einen halben Schiffscontainer teilen. Es war schon jetzt unerträglich warm drin. Bei uns waren etwa 20° und ziemlicher Wind. Ich möchte mir nicht ausmalen wie es im Hochsommer ist. Es tut mir unendlich leid.

Wir besichtigten dann noch die Hütte von einem netten alten Mann. Er erzählte uns, dass er die Hütte komplett selbst gebaut hat und alle Materialien dafür selbst gesucht und besorgt hat.

Es gibt auch wirklich hübsche kleine Wohnungen und Häuser im Viertel. Jedoch denke ich kann sich von uns keiner Vorstellen auf den wenigen m² mit seiner kompletten Familie zu Leben. Auch in den kleinen Wohnungen gibt es oft nur 2 kleinere Zimmer, aber zum Glück Strom und ein Badezimmer. Fotos gibt es nicht viele; fanden wir irgendwie nicht angebracht.

Ja, nach dem kleinen Rundgang ging es ab ins Auto und zum Kap der Guten Hoffnung. Auf dem Weg dahin mussten wir all das gehörte und gesehene erstmal verarbeiten.  Wir stoppten noch am Muizenberg Beach und bei den Pinguienen in der Nähe des Boulders Beach. Total witzig diese kleinen Tiere und super süß. Ich hätte denen einen ganzen Tag zuschauen können, aber leider mussten wir weiter.

 

Der Wind war so verrückt an diesem Tag; es hat uns fast davongeweht. Ursprünglich war geplant einen ganzen Tag am Kap zu verbringen und ein wenig zu wandern. So ging es einfach nur ganz schnell mit dem Auto zu den „Highlights“.

Und nun war es endlich soweit. Das Wetter sollte sich bessern; kein Regen, kein Wind; nur noch Sonne und wir rauf auf den Tafelberg. Früh fiel uns ein, ach wir wollten doch noch bei Linh in Vietnam die Tour und Unterkunft buchen. Na lass uns das schnell machen. Gesagt getan, und zack war es schon 9:30 Uhr. Und wie sollte es anders sein, standen wir auch noch im Stau. Also ging die Tour dann so gegen 11 Uhr erst los. Wir wollten gern den gemütlichen Pipe Track gehen. In der Info sagte er ja geht kein Problem. Nur doof … wir liefen und liefen und kamen irgendwie auf den Trail Kasteelspoort.

Da hatte ich schon vor längerer Zeit gelesen, am Besten ganz früh da sonst die ganze Zeit Sonne auf ein scheint. Es war wirklich hart, kein Lüftchen nur die pralle Mittagssonne. Oft musste man die Steine und kleinen Felsen fast hochklettern. Mein Kreislauf war nicht der Beste und unser Wasser war auf nur 2,5 Liter insgesamt beschränkt. So liefen wir nur immer kleine Etappen und mussten viel Pause machen. Es war ansich ein wirklich cooler und wunderschöner Weg, aber wir waren einfach zur falschen Zeit unterwegs.

Also war das Ziel oben anzukommen und mit der Seilbahn runter. Oben sind wir auch wirklich angekommen, was ich echt nicht gedacht hätte. 🙂 Nur die Schlange an der Seilbahn war eeeeewig lang; Wartezeit geschätzt 2h. Also kauften wir das teuerste Wasser und Eis und entschieden uns den Platteklip Georg Trail nach unten zu nehmen. Runter ging es dann schön im Schatten … Auf Grund des Staus und unserer Verspätung entschieden wir uns das Auto weiter unten am Berg stehen zu lassen. Quasi an einem Privatparkplatz in der Wohnsiedlung am bzw. unten am Berg. Am Ende des Tages verzeichneten wir dann mal wieder 20 km und fast 1000 Höhenmeter. Kein Wunder, dass unsere Beine doch etwas schwer waren. Das mit Wanderrouten finden und beibehalten müssen wir glaube noch etwas üben. Am Abend kauften wir uns noch ein geniales Rindersteak und grillten zum Abschluss unseres Aufenthaltes ein letztes Mal.

Nun war auch der Sonntag schon da. Also hieß es am morgen Packen und pünktlich um 13 Uhr an der Waterfront sein. Das haben wir auch erfolgreich geschafft. Die Straßen waren so leer wie noch nie und wir waren fix in der City. Irgendwie war unser Timing in Kapstadt ja schon vom zweiten Tag an schlecht und so sollte es auch bleiben. Auf unserer Karte für Robben Island stand ja Beginn 13 Uhr und back 16 Uhr. Gestartet sind wir dann glücklicherweise 13:30 Uhr…. Auf der Insel angekommen ging es in den Bus, was wir vorher nicht wussten. Da wurde man auf verschiedene Punkte und Lager des ehemaligen Gefängnisses gefahren.

Den Bus darf man aber erst an einer bestimmten Stelle verlassen, nämlich da wo es Essen und Getränke zu Kaufen gibt. 🙂 Danach ging es an den alten Steinbrüchen vorbei, in denen die Gefangenen Tag ein Tag aus arbeiten mussten. Sie hatten ein grauenvolles Leben und mussten sehr viel Leid ertragen. In dem Gefängnis waren nur schwarze Insassen. Viele von ihnen haben sich gegen die Apartheid eingesetzt. Ein wohl eher kleiner Teil war wegen sonstigen kriminellen Machenschaften dort. Bekannt ist diese Gefängnis-Insel aber wegen Nelson Mandela. Er lebte 18 Jahre in Gefangenschaft dort. In einer winzigen Gefängniszelle, in Einzelhaft. Er und auch die andere Gefangene durften einmal im halben Jahr Besuch empfangen, einen Brief schreiben und einen erhalten. Komplette Isolation war angesagt.

Nachdem wir durch unsere manchmal optimistische Art: „Ach, das passt doch gut“ erst 17:20 Uhr am Auto waren und dann noch im Stau steckten kamen wir völlig abgehetzt mit dem Gedanken im Kopf „heute verpassen wir das erste Mal wirklich unseren Flug“ an der Mietwagenstation an. Gegen 18:45 Uhr am Check-In-Schalter angekommen, haben wir unser Gepäck aufgegeben. Am Ende war sogar noch Zeit für ein Cider.

 

Wir sagen tschüss du wunderschönes Südafrika.

3 thoughts on “Kapstadt

  1. Hallo ihr zwei, da unser Start in Südafrika nun ein Jahr genau zurück liegt haben wir eure Reise in diesem wunderschönen Land mit verfolgt.
    Es ist als wären wir wieder selbst vor Ort. Die vielen uns bekannten Orte noch Mal zu sehen.
    Grüße Jana und Falk

    1. Hallo ihr 2, es freut uns sehr von euch zu hören und dass wir euch noch einmal mit nach Südafrika nehmen durften. 🙂 Wahnsinn wie die Zeit vergeht. Wir freuen uns immer sehr über ein paar Worte hier. Liebe Grüße

  2. Sehr schön geschrieben, aber auch ein bisschen bedrückend und traurig. Aber so ist das Leben.
    Ich denke aber, dass die schönen Dinge und Sehenswürdigkeiten dann doch überwiegen. Aber eure Zeitplanung ist ganz schön „verrückt“ gewesen und ihr könnt froh sein, dass ihr den Flieger nicht verpasst habt 🙂

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